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Asr-Zeit: Warum Hanafi und Shafi'i unterschiedlich berechnen

Ahmad Yilmaz – Autor bei NamazWorldvon Ahmad Yilmaz·18. Juli 2026·4 Min. Lesezeit

Wer in Köln an einem Freitagnachmittag auf sein Handy schaut, erlebt manchmal das: Die Gebetszeiten-App zeigt Asr für 16:05 Uhr. Der Freund aus der Moschee sagt, Asr sei erst um 17:40 Uhr. Wer hat recht?

Beide. Das ist kein App-Fehler und kein Irrtum des Freundes. Es ist ein Unterschied, der seit über tausend Jahren in der islamischen Jurisprudenz besteht, gut belegt und von keiner Schule als Fehler der anderen eingestuft wird.

Der Startpunkt: Zawaal und der Mittagsschatten

Bevor man die Differenz versteht, braucht man den Nullpunkt: Zawaal. Das ist der Moment, wenn die Sonne ihren höchsten Stand erreicht hat. Jetzt wirft ein senkrechter Stab seinen kürzesten Schatten des Tages, den Mittagsschatten. Dhuhr beginnt kurz danach.

Asr beginnt, wenn der Schatten einen bestimmten Wert überschreitet. Dieser Wert stammt aus einem Doppelbericht über den Engel Dschibril (as), der den Propheten (saws) an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zu jeder Gebetszeit anleitete: einmal sehr früh, einmal sehr spät. Aus diesem Doppelbericht leiteten die Gelehrten zwei verschiedene Startpunkte für Asr ab.

Einfacher Schatten: Die Position der Mehrheit

Shafi'i, Maliki und Hanbali bestimmen den Asr-Beginn so: Der Schatten eines Gegenstands muss seine eigene Länge erreicht haben, bezogen auf den Mittagsschatten als Nullpunkt. Das heißt in der Fachsprache Mithl Wahid, einfacher Schatten.

Beim ersten Asr-Gebet des Engels begann er, "als der Schatten eines Dings gleich ihm war." (Sunan Abu Dawud, Nr. 393, sahih; in Sahih Muslim, Nr. 612 abgesichert) Das ist die erste Stufe, und die drei Schulen nehmen sie als Startpunkt.

In Köln liegt Asr nach dieser Methode im Juli gegen 15:55 bis 16:15 Uhr.

Doppelter Schatten: Die Hanafi-Position

Die Hanafi-Schule orientiert sich am zweiten Gebet des Engels in derselben Überlieferung: Asr beginnt erst, wenn der Schatten doppelt so lang wie der Gegenstand ist. Im Arabischen: Mithl Thanayn, doppelter Schatten.

Begründung der Hanafis: Der erste Schritt (Mithl Wahid) markiert das Ende der bevorzugten Dhuhr-Zeit, noch nicht den Beginn von Asr. Dhuhr endet, Asr fängt aber noch nicht an. Erst Mithl Thanayn öffnet die Asr-Zeit.

Praktische Konsequenz: Diyanet-Kalender und Moscheen mit hanafitischer Ausrichtung zeigen im Sommer in Deutschland Asr-Zeiten zwischen 17:15 und 17:50 Uhr, je nach Breitengrad. Das sind in manchen Städten fast zwei Stunden nach der frühen Methode. Wer bisher dachte, die Moschee beginne Asr aus Gewohnheit so spät: Es ist Theologie.

Was das konkret für dich bedeutet

Beide Definitionen sind islamisch gültig. Ibn Qudama (Hanbali, gest. 620 n.H.) schreibt im Mughni, die Hanafi-Position sei "möglich und durch Hadith gestützt." Kein Gelehrter aus den vier Schulen erklärt die Gegenposition für ungültig. Das ist kein Streit, sondern legitime ijtihad-basierte Differenz.

Handfeste Empfehlung: Wer in einer Moschee betet, hält sich an die Methode dieser Gemeinde. Wer allein betet, liegt mit Mithl Wahid auf der sicheren Seite, weil Asr zu diesem Zeitpunkt nach beiden Schulen bereits begonnen hat.

Welche Berechnungsmethode auf NamazWorld aktiv ist, lässt sich in den Einstellungen prüfen und wechseln. ISNA und MWL nutzen Mithl Wahid, Diyanet nutzt Mithl Thanayn. Den vollständigen Methodenvergleich erklärt der Beitrag zu den Gebetszeiten-Berechnungsmethoden.

Und wer verstehen möchte, warum Asr das einzige Gebet ist, dem der Quran eine eigene Hervorhebung widmet, findet das im Artikel zu Salat al-Wusta. Den genauen Asr-Zeitpunkt für den eigenen Standort zeigt NamazWorld nach der jeweils eingestellten Methode.

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