Fasten im Sommer: Tipps gegen Hitze und lange Tage
Wer in Berlin im Juni freiwillig fastet, schaut manchmal zweimal auf die Gebetszeiten-App. Maghrib erst um 21:36 Uhr. Das sind gut 17 Stunden ohne Essen und Trinken. Kein Ramadan-Pflichtfasten, aber vielleicht der Arafat-Tag, ein Donnerstag, einer der zehn Tage Dhul-Hijjah. Der Prophet (Friede sei mit ihm) sagte über das Fasten am 9. Dhul-Hijjah: Es sühnt die Sünden des vergangenen und des kommenden Jahres. (Sahih Muslim, Nr. 1162). Ein enormes Geschenk. Aber wie macht man das im deutschen Sommer praktisch?
Ich habe in den letzten Jahren einige solche Fastentage mitgemacht und ein paar Fehler nur einmal gemacht.
Sahur: Der wichtigste Hebel
Den Sahur weglassen, weil man sowieso früh aufsteht, war mein erster Fehler. Er rächt sich spätestens um 15 Uhr.
Was im Winter mit einer kleinen Mahlzeit gut funktioniert, reicht im Sommer nicht. Fajr in Deutschland liegt im Juni zwischen 3:15 und 3:30 Uhr. Das heißt: aufstehen, essen, beten, und dabei keine Hektik. Was essen? Haferflocken, Eier, Vollkornbrot. Alles, was langsam Energie abgibt. Weißbrot und Zucker lassen den Blutzucker einbrechen. Wasser: mindestens einen halben Liter bei Sahur, am besten still statt Saft.
Hitze tagsüber beherrschen
Die kritische Phase liegt zwischen 12 und 16 Uhr. Wer körperlich arbeitet oder draußen ist, merkt das deutlich.
Direkte Sonne meiden, schwere Arbeit in die frühen oder späten Stunden legen, Handgelenke mit feuchtem Tuch kühlen. Was viele übersehen: Atmen. Wer bei Stress durch den Mund atmet, verliert deutlich mehr Flüssigkeit als bei ruhiger Nasenatmung. Klingt banal. Ist nach Stunden ein echter Unterschied.
Die Niyyah für freiwilliges Fasten kann auch noch am Morgen gebildet werden, wenn man noch nichts gegessen hat. Sahih Bukhari, Nr. 1986, belegt das für freiwillige Fasten ausdrücklich. Trotzdem schläft man entspannter, wenn man die Absicht abends vorher fasst.
Iftar ohne Magendrücken
17 Stunden Hunger machen nachgiebig. Die Versuchung, beim Iftar alles auf einmal zu essen, kenne ich gut. Das Ergebnis ist Magendrücken und schlechter Schlaf.
Der Prophet ifftarte mit einer ungeraden Zahl Datteln und Wasser, bevor er das Maghrib-Gebet verrichtete. (Sunan Abu Dawud, Nr. 2356). Kleine Mahlzeit vor dem Gebet, größere danach. In der Praxis: drei Datteln, ein Glas Wasser, Maghrib beten, dann in Ruhe essen.
Im Alltag durchhalten
Wer fastet, bekommt manchmal Fragen von Kollegen. "Kannst du nicht wenigstens ein bisschen trinken?" Ich sage inzwischen klar: "Nein, danke." Wer fragt, bekommt eine Erklärung. Wer nicht fragt, muss nichts wissen.
Für Tage mit Meetings nach 18 Uhr: Datteln und eine kleine Wasserflasche im Schreibtisch. Notfall-Iftar, wenn keine andere Möglichkeit besteht.
Leichte Bewegung ist im Fasten nicht schädlich, manchmal sogar hilfreich. Ein kurzer Spaziergang nach dem Mittagsgebet löst Erschöpfungsgefühle auf, die beim langen Sitzen entstehen. Intensiver Sport gehört erst nach Iftar. Wer Dhikr auf dem Spaziergang verbinden möchte, findet mit der Tasbih-Funktion auf NamazWorld eine praktische Zählhilfe.
Wenn der Körper Grenzen zeigt
Manchmal ist es schlicht zu heiß. Wer körperlich erschöpft ist, Schwindel bekommt oder medizinische Gründe hat, darf das freiwillige Fasten unterbrechen. Der Körper ist eine Amanah. Allah möchte keine Selbstschädigung.
Wer das freiwillige Fasten unterbricht, muss es nicht nachholen. Anders als beim Ramadan-Pflichtfasten, für das der Artikel Versäumte Fastentage nachholen alle Regeln erklärt.
Sommer-Fasten ist eine eigene Erfahrung. Wer durchhält und beim Iftar die erste Dattel isst, spürt etwas, das sich mit dem Winter-Fasten nicht vergleichen lässt.