Islamische Maedchennamen: Bedeutung und Herkunft
Der Name, den Eltern fuer ein neugeborenes Maedchen waehlen, bleibt ihr ein Leben lang. Im islamischen Verstaendnis traegt er noch mehr als Klang: Er hat Bedeutung, er hat Herkunft, manchmal traegt er ein Gebet in sich. Der Prophet (Friede sei mit ihm) sagte: "Am Tag der Auferstehung werdet ihr mit euren Namen gerufen. Gebt euren Kindern daher gute Namen." (Abu Dawud, Nr. 4948). Nicht nur eine Stilfrage, sondern eine Entscheidung mit Gewicht.
In meiner Kita in Hannover erlebe ich das regelmaessig. Wenn ich einem Maedchen erklaere, dass ihr Name Fatima zur Tochter des Propheten gehoert, veraendert sich etwas in ihrer Koerperhaltung. Das klingt uebertrieben. Ist es nicht.
Arabische Namen aus dem Quran und der Prophetenfamilie
Die haeufigsten islamischen Maedchennamen stammen aus dem Quran oder aus der unmittelbaren Geschichte des Propheten.
Maryam (arabisch: Maria, Mutter Isas) ist der einzige Frauenname, dem der Quran eine vollstaendige Sure widmet (Sure 19). Der Name bedeutet "die Fromme" oder "die Dienerin Gottes". Im Arabischen, in der Tuerkei und in Deutschland gleichermassen verbreitet.
Aicha (auch: Aischa, Aisha) war die Frau des Propheten und eine der bedeutendsten Ueberlieferinnen des Hadith. Ueber 2.000 Hadithe gehen auf sie zurueck. Der Name bedeutet "die Lebende", "die Lebhafte". In Deutschland gut aussprechbar und seit Jahrzehnten bekannt.
Khadija war die erste Frau des Propheten, Kauffrau und erste Muslima. Der Name bedeutet "die Fruehgeborene" oder "die, die vor der Zeit kam". Ein starker Name fuer ein erstes Kind.
Fatima heisst "die Entwoehnte". Als Name der Prophetentochter Fatima az-Zahra hat er im Laufe der Jahrhunderte tiefere Bedeutungen angesammelt: Fuersorge, Wuerde, Staerke. Der Zusatz "az-Zahra" (die Leuchtende) wird manchmal als eigenstaendiger Name verwendet.
Persische und tuerkische Namen im islamischen Kontext
Nicht alle islamischen Maedchennamen sind arabischen Ursprungs. Persische Namen haben durch die islamische Zivilisation eine weite Verbreitung gefunden.
Yasmin ist persischer Herkunft und bezeichnet die Jasminbluete. Im Arabischen als Yasmin oder Yasmina adaptiert. Der Name ist in allen muslimischen Regionen verbreitet und klingt auch in deutschen Schulen problemlos.
Layla kommt vom arabischen Wort fuer "Nacht" und beschreibt Schoenheit, Tiefe, Geheimnis. Im islamischen Kontext traegt er keine spezifische religioese Bedeutung. Eltern, die einen klangvollen arabischen Namen ohne explizite religioese Zuschreibung suchen, waehlen ihn oft.
Zainab war der Name zweier Toechter des Propheten sowie einer seiner Frauen. Der Name bezeichnet eine bestimmte Baumart, wird aber vor allem wegen seiner Traegerinnen gewaehlt. In der Schii-Ueberlieferung hat er durch Zainab bint Ali eine besondere Stellung.
Namen, die Eigenschaften beschreiben
Eine dritte Gruppe islamischer Maedchennamen beschreibt Charaktereigenschaften oder Naturelemente.
Nur bedeutet "Licht". Der Quran nennt Allah das Licht der Himmel und der Erde (Sure 24:35). Als Kurzname oder in Kombinationen wie Nour el-Huda ist er weitverbreitet.
Rahma bedeutet "Barmherzigkeit", eines der zentralen Attribute Allahs. Als Maedchenname traegt er eine Hoffnung der Eltern in sich: dass das Kind diese Eigenschaft verkoerpern moege.
Hana oder Hanaa bedeutet "Glueck" oder "Freude", arabischen Ursprungs. Kurz, international aussprechbar, gut merkbar.
Was Eltern beim Waehlen bedenken sollten
Namen, die ausschliessliche Eigenschaften Allahs beanspruchen, sollten vermieden werden. Die islamische Ueberlieferung empfiehlt: nicht "Al-Karim" (der Grosszuegige) als eigenstaendiger Name, sondern "Abdul-Karim" (Diener des Grosszuegigen). Fuer Maedchen gilt Entsprechendes. Der Name darf Allah loben, aber nicht beanspruchen.
Die Aussprache im deutschen Schulalltag ist ein pragmatischer Punkt. Aicha, Yasmin oder Layla werden ohne Erklaerung korrekt gelesen. Khadija oder Maryam erfordern kurze Einweisung, sind aber gut merkbar. Wer moechte, dass sein Kind seinen Namen nicht taeglich buchstabieren muss, waehlt entsprechend. Das ist kein Verrat an der Herkunft, sondern Planung.
Wenn Kinder alt genug sind, erklaert man ihnen die Geschichte hinter dem Namen. Das gehoert zur islamischen Erziehung genauso wie das Gebet beibringen oder das gemeinsame Erleben im Ramadan mit Kindern. Ein Name ist kein Schild. Er ist ein Anfang.