Mekka und Medina: Die zwei heiligen Staedte im Islam
Zwei Staedte ziehen seit fast 1.500 Jahren Millionen von Menschen an. Mekka liegt im Hejaz, umgeben von roten Felshaengen auf rund 277 Metern Hoehe. Medina, 340 Kilometer weiter noerdlich, liegt in einer Ebene mit milderem Klima. Beide Staedte haben heute Grossstadtinfrastruktur und Millionen Einwohner. Und doch ist ihr Status fuer Muslime ein anderer als der jeder anderen Metropole der Welt.
Mekka: Umm al-Qura
Der Quran nennt Mekka "Umm al-Qura", die Mutter aller Staedte (Sure 42:7). Ihr Zentrum ist die Masjid al-Haram, die Grosse Moschee, die die Kaaba umschliesst. Sure 3:96 macht die Stellung klar: "Das erste Haus, das je fuer die Menschen errichtet wurde, ist dasjenige in Bakka (Mekka), als Segen und Rechtleitung fuer alle Welten."
Der Quran verbindet die Kaaba mit Ibrahim (as) und seinem Sohn Ismail, die gemeinsam die Grundmauern errichteten, als erneuerter Ort der Anbetung des einen Gottes. Zur Zeit der Offenbarung war Mekka ein Handelszentrum der arabischen Halbinsel, kontrolliert von den Quraisch-Staemmen. Muhammad (saw) wurde hier um 570 n. Chr. geboren und lebte ueber vierzig Jahre in dieser Stadt, bevor die Hijra ihn nach Norden fuehrte.
Der Zamzam-Brunnen, innerhalb der Masjid al-Haram gelegen, geht auf die Geschichte von Hajar und dem kleinen Ismail zurueck. Seither fliesst er ohne Unterbrechung. Wissenschaftliche Analysen belegen sein aussergewoehnlich mineralhaltiges Wasser, das sich von allen anderen Trinkwasserquellen in der Region unterscheidet.
Medina: Al-Madinah al-Munawwarah
"Die erleuchtete Stadt", so der vollstaendige arabische Name Medinas. Dieses Licht meint kein Neon. Es kam mit der Ankunft des Propheten im Jahr 622 n. Chr. nach der Hijra. Vor diesem Ereignis hiess die Stadt Yathrib. Der Prophet selbst sagte ueber sie: "Ich wurde zu einer Stadt befohlen zu migrieren, die alle anderen Staedte verschlingt. Man nennt sie Yathrib, aber sie ist Medina." (Sahih Bukhari, Nr. 1871)
In Medina baute der Prophet die Quba-Moschee kurz nach seiner Ankunft. Sie gilt als erste Moschee im Islam ueberhaupt. Die Masjid an-Nabawi entstand direkt neben seinem Haus. Heute liegt sein Grab in der Mitte der Moschee, unter der Gruenen Kuppel, die das Stadtbild seit 1837 praegt. Medina gilt als zweitheiligste Stadt des Islam.
Was in den Heiligtumsgebieten gilt
Haramayn heissen die beiden Schutzgebiete zusammen. Der innerste Bereich von Mekka ist fuer Nichtmuslime nicht zugaenglich. Diese Regelung basiert auf Sure 9:28 und wird von den saudi-arabischen Behoerden strikt durchgesetzt. Fuer Pilger im Ihram-Zustand gilt: kein Jagen, kein Haare- oder Naegel-Schneiden, keine ehelichen Beziehungen. Das gilt fuer Hajj und Umra gleichermassen.
Die Moscheen in beiden Staedten sind rund um die Uhr geoeffnet. Wer wissen will, wann Fajr oder Isha in Mekka genau beginnen, kann das ueber die Gebetszeiten-Berechnung auf NamazWorld nachvollziehen, weil die adhan-Berechnung fuer jeden Breitengrad auf der Welt funktioniert.
Hajj und der Weg zwischen beiden Staedten
In Dhul-Hijjah bewegen sich jaehrlich ueber zwei Millionen Pilger nach Mekka. Die meisten schliessen ihre Reise mit einem Aufenthalt in Medina ab, obwohl der Besuch der Prophetenmoschee keine Hajj-Pflicht ist, sondern Sunnah. Wer den Hajj Schritt fuer Schritt planen will, findet dort die vollstaendige Anleitung mit Ihram-Regeln, Riten und Zeitplan.
Ueber 2.000 Jahre Geschichte verbinden sich in diesen zwei Staedten mit einem taeglichen Gegenwartserlebnis. Wer die Qibla-Richtung einstellt und sich nach Mekka ausrichtet, vollzieht eine der seltenen Gesten, bei der Geschichte und Alltag an einem einzigen Punkt zusammenlaufen.