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Die Ansar: Wie Medinas Helfer den Islam retteten

Mustafa Erdoğan – Autor bei NamazWorldvon Mustafa Erdoğan·25. Juli 2026·4 Min. Lesezeit

Im Jahr 622 kamen erschöpfte, mittellose Menschen in Medina an. Keine Häuser. Kein Geld. Was sie vorfanden, war eine Stadt, die sich entschieden hatte, sie aufzunehmen.

Diese Entscheidung hatte einen Namen: die Ansar.

Wer die Ansar waren

Die Ansar stammten aus den beiden medinensischen Stämmen der Aus und Khazraj. Die hatten jahrzehntelang miteinander Krieg geführt. Der Islam vereinte sie in einer Weise, die politisch eigentlich unmöglich schien.

Bevor irgendein Medinenser auch nur einen Dirham gab, musste etwas anderes passieren: ein Bund. Im Jahr 621 kamen zwölf Männer aus Medina zur Hajj-Saison nach Mekka und leisteten am Aqaba-Pass ihren ersten Treueeid an den Propheten, das sogenannte Aqabah I. Ein Jahr später folgte eine größere Delegation: 73 Männer und zwei Frauen schworen dem Propheten persönlichen Schutz zu. Das war keine Geste. Das war ein militärisches Versprechen in einer Zeit, in der Mekka aktiv gegen Muslime vorging. Das Risiko war real: Wer den Bund brach, riskierte Stammeskonflikte, Handelssanktionen, Schlimmeres.

Al-Muakhah: Die Bruderschaft, die Geschichte schrieb

Als die Muhajirun aus Mekka in Medina ankamen, traf der Prophet eine Maßnahme, die in ihrer Konsequenz außergewöhnlich war. Er verbrüderte je einen Muhajirun mit einem Ansar. Al-Muakhah, die islamische Bruderschaft.

Kein symbolisches Handschütteln. Praktisch: Die Ansar teilten ihr Heim, ihren Besitz, manchmal sogar ihr Erbe.

Anas ibn Malik berichtet die Geschichte von Abdurrahman ibn Awf, einem Kaufmann aus Mekka, der alles verloren hatte. Verbrüdert wurde er mit Sa'd ibn ar-Rabi' aus Medina. Sa'd bot ihm an: "Ich teile mein Vermögen mit dir. Wenn du willst, heirate ich eine meiner Frauen, und du nimmst sie dann." Abdurrahman lehnte ab. Er bat nur: Zeig mir den Weg zum Markt. Innerhalb eines Jahres stand er wieder auf eigenen Beinen. (Sahih Bukhari, Kitab al-Buyu')

Diese Geschichte beschreibt al-Muakhah besser als jede Definition: Hilfe annehmen, Würde behalten. Der Kaufmann aus Mekka wollte kein Almosen. Er wollte eine Chance. Die Ansar gaben beides.

Was der Prophet über die Ansar lehrte

Kein anderer Kreis von Gläubigen erhielt so viele direkte Lobsprüche des Propheten wie die Ansar. Anas ibn Malik überliefert: "Die Liebe zu den Ansar ist ein Zeichen des Glaubens, und der Hass auf sie ist ein Zeichen der Heuchelei." (Sahih Bukhari, Nr. 17)

Das ist keine rhetorische Übertreibung. Der Prophet machte die Haltung gegenüber den Ansar zu einem Maßstab für inneren Glauben. Stärker kann ein Lob kaum sein.

Wer tiefer in die Biographien der ersten Muslime einsteigen möchte, findet mehr im Artikel über die Gefährten des Propheten.

Was bleibt von den Ansar

In der Stunde des größten Triumphes, der Rückeroberung Mekkas im Jahr 630, fragte der Prophet seine Gefährten, ob sie glaubten, er würde die Ansar jetzt zurücklassen. Er antwortete selbst: "Wenn alle Menschen in eine Richtung gingen, würde ich den Weg der Ansar nehmen." (Sahih Bukhari, Kitab al-Manaqib, Nr. 3800)

Das war keine Pflichterfüllung. Das war Dankbarkeit aus echtem Erleben.

Medina war nicht zufällig der Boden, auf dem die erste islamische Gemeinschaft entstand. Die Ansar hatten eine Tradition der Gastfreundschaft und des Ausgleichs, die durch die islamische Botschaft eine neue Tiefe bekam. Glaube fiel auf vorbereiteten Boden.

Der Quran nennt die Ansar namentlich in Sure 9:100: "Die Vorangehenden, die Ersten unter den Ausgewanderten und den Helfern, und diejenigen, die ihnen in Güte folgten: Allah ist mit ihnen zufrieden, und sie sind mit ihm zufrieden." Zufriedenheit auf beiden Seiten. Das ist ein Versprechen, das es selten gibt.

Die aktuellen Gebetszeiten für alle deutschen Städte findest du auf NamazWorld.

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