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Tipps

Soziale Medien und Islam: Was Muslime wissen müssen

Bilal Toprak – Autor bei NamazWorldvon Bilal Toprak·21. Juli 2026·4 Min. Lesezeit

700 Millionen Menschen täglich auf Instagram, über eine Milliarde auf TikTok. Darunter Millionen Muslime, die jeden Morgen nach dem Fajr als Erstes in den Feed schauen. Die Frage lautet nicht mehr, ob Muslime Social Media nutzen. Sie lautet: wie.

Als ich anfing, ernsthafter damit umzugehen, fiel mir auf, wie viel Zeit einfach verschwindet. Nicht in etwas Schlechtes. Einfach in nichts.

Laghw: Der Quran über sinnlose Beschäftigung

Sure 23, Vers 3 nennt als Eigenschaft der Gläubigen, dass sie "das Sinnlose meiden". Laghw bezeichnet alles, das weder im Diesseits noch im Jenseits nützt. Ibn al-Qayyim schreibt in "Ighathatul-Lahfan", dass geziellose Unterhaltung ohne Lerneffekt explizit dazu gehört.

Stundenlanges Scrollen durch Reels gehört genau in diese Kategorie. Das bedeutet nicht, dass alles verboten ist. Es bedeutet, dass jede Minute verantwortbar sein sollte. Wer am Freitagabend drei Stunden auf TikTok verbracht hat und nicht mehr sagen kann, was er dabei gelernt hat, weiß die Antwort bereits.

Ghiba digital: Backbiting hat keine technische Grenze

"Wisst ihr, was Ghiba ist?" fragte der Prophet. Die Sahaba antworteten, Allah und sein Gesandter wüssten es besser. Er sagte: "Es ist, über deinen Bruder zu sprechen, was er hasst." [Sahih Muslim, Nr. 2589]

Auf Social Media multipliziert sich Ghiba. Ein Screenshot, ein Kommentar, ein Clip, der einen anderen Muslim bloßstellt, zehnmal geteilt, hunderttausendmal gesehen. Die technische Distanz ändert die Rechtslage im Fiqh nicht. Sure 49:12 warnt: "Erspäht nicht einander und verleumdet nicht einen den anderen."

Auch stilles Liken gehört dazu. Wer unter einem Beitrag, der einen Gelehrten lächerlich macht, auf "Gefällt mir" drückt, stimmt mit. Das ist keine strenge Auslegung. Das ist Standard-Fiqh.

Riya: Der Like-Button als Versuchung

Kennst du das? Man leistet eine Sadaqa, fotografiert sie, postet sie. Die Intention wackelt. Halb für Allah, halb für die Reichweite.

Sure 107:6 spricht von jenen, die "die Unwissenden täuschen". Riya, das Zur-Schau-Stellen frommer Handlungen, war keine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Social Media hat es nur demokratisiert. Wer sich dabei ertappt, dass gute Taten erst durch die Kamera vollständig werden, sollte innehalten. Mehr dazu im Artikel über Riya und das Problem der Außendarstellung.

Was die Augen einlassen

"Sag den gläubigen Männern, sie sollen ihren Blick senken und ihre Scham bewahren." [Sure 24:30] Das gilt über das Weggucken auf der Straße hinaus. Ein kuratierter Feed optimiert auf Verweildauer, nicht auf islamische Werte. Algorithmen lernen, was man gerne ansieht. Wer passiv scrollt, hat diese Entscheidung längst an einen Server abgegeben.

Haya, die Scham als innere Tugend, beginnt beim Blick. Der Artikel über Haya als islamische Tugend im Alltag beschreibt diese Haltung ausführlicher. Praktisch heißt das: Accounts stumm stellen, Not-Interested-Optionen nutzen, den eigenen Feed aktiv formen.

Fünf Regeln für muslimische Nutzer

1. Intention setzen. Warum öffne ich die App? Langeweile ist eine ehrliche Antwort. Und ein Signal.

2. Ghiba nicht weitergeben. Weder durch Teilen noch durch Liken. Der Prophet sagte: "Genug Sünde für einen Menschen ist es, alles weiterzuerzählen, was er hört." [Sahih Muslim, Nr. 5]

3. Bildschirmzeit begrenzen. Viele stellen nach Fajr eine App-Sperre ein, die erst eine Stunde später die Social-Media-Apps freigibt. Einfach. Wirksam.

4. Eigene Präsenz prüfen. Alles, was du postest, wirst du am Tag der Rechenschaft sehen. Manche App-Einträge wäre man froh, nicht gemacht zu haben.

5. Als Werkzeug nutzen. Islamische Inhalte teilen, Gebetszeiten weiterleiten, Schönes weitergeben. Das ist nicht nur erlaubt. Es kann Sadaqa sein.

Wem abends die Finger nach dem Handy greifen, wenn Dhikr geplant war: Der Tasbih-Zähler auf NamazWorld ist dafür gedacht. Manchmal ist der beste Algorithmus der eigene Vorsatz.

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