Der Monat Safar: Geschichte und Bedeutung im Islam
Der Monat Safar liegt zwischen Muharram und Rabi' al-Awwal. Als zweiter Monat des islamischen Jahres ist er weder durch eine besondere Ibadah ausgezeichnet noch durch ein Verbot. Trotzdem begegnet man ihm in vielen Familien mit Vorsicht: Hochzeiten werden verschoben, große Entscheidungen aufgeschoben, manche meiden das Reisen. Was dahinter steckt.
Woher der Name kommt
Arabische Gelehrte nennen zwei Erklärungen. Die eine leitet "Safar" von "safira" ab: leer werden. In vorislamischer Zeit zogen Männer im zweiten Monat auf Reisen oder in den Krieg, Häuser blieben leer zurück. Die andere Deutung verbindet ihn mit "asfara": leuchten, aufhellen. Im Herbst bekommt die arabische Wüstenvegetation gelbliche Töne.
Beide Erklärungen beschreiben etwas Neutrales. Kein Omen, kein Fluch, keine Eigenschaft, die einen Monat gut oder schlecht macht.
Die vorislamische Überzeugung und die prophetische Antwort
In der Dschahiliyya galt Safar als verflucht. Heiraten und Vertragsabschlüsse wurden gemieden. Man hielt den Monat für eine Art eigenständige Kraft, die Unglück bringen konnte, unabhängig von den Handlungen der Menschen.
Der Prophet hat das direkt angesprochen. In Sahih al-Bukhari, Nr. 5757, überliefert von Abu Huraira: "Keine Krankheitsübertragung von Mensch zu Mensch ohne Allahs Erlaubnis, kein schlechtes Vorzeichen aus Vögeln, kein Uhu-Omen, kein Safar."
Er nennt Safar in einer Aufzählung mit anderen vorislamischen Aberglauben. Das ist kein Zufall. Jede dieser Überzeugungen teilt dieselbe Grundstruktur: Man schreibt einer Sache (einem Monat, einem Vogel, einem Tier) eine eigenständige Wirkung zu, die sie nicht hat. Aus islamischer Sicht ist das eine Verletzung des Tauhid.
Ibn al-Qayyim kommentiert in "Zad al-Ma'ad", dass die Araber Safar fast wie eine Figur behandelten, einen Feind, dem man aus dem Weg geht. Der Prophet hat diese Personifizierung für ungültig erklärt.
Safar im Kontext des islamischen Kalenders
Für mich als jemand, der sich seit Jahren mit islamischer Zeitrechnung beschäftigt, ist Safar ein gutes Beispiel dafür, wie vorislamische Kulturpraxis in muslimische Gemeinschaften hineinfließen kann, manchmal über Generationen. Das ist kein Vorwurf. Volksüberlieferungen sind hartnäckig.
Der Hijri-Kalender wurde erst unter Kalif Umar ibn al-Khattab systematisiert, mit der Hidschra als Ausgangspunkt. Die Monatsnamen selbst sind älter und kommen aus dem vorislamischen arabischen Sprachraum. Sie tragen also keine islamisch-theologische Bedeutung per se. Wer mehr zur Entstehungsgeschichte wissen möchte, findet Details im Artikel über den Hijri-Kalender und seine Entstehung.
Astronomisch startet Safar mit der Sichtung des Hilal, wie jeder andere islamische Monat. Keine Ausnahme in der Berechnung, keine besondere religiöse Gewichtung. Eine strukturierte Übersicht aller zwölf Mondmonate mit ihren astronomischen Eckdaten findet sich in unserem Überblick der 12 islamischen Mondmonate.
Was das für den Alltag bedeutet
Hand aufs Herz: Wer kennt nicht jemanden aus der Familie, der im Safar keine Hochzeit feiern will? Solche Überzeugungen sitzen tief, weil sie familiär weitergegeben wurden, nicht weil jemand schlecht geforscht hätte.
Die Antwort ist keine Kritik, sondern Klarheit. Sure 9, Vers 51: "Sprich: Es trifft uns nur das, was Allah für uns bestimmt hat. Er ist unser Schutzherr."
Ein Monat trifft keine Entscheidungen. Er hat keine Energie, die über Allahs Erlaubnis hinausgeht. Wer das verinnerlicht hat, lebt freier: freier für Entscheidungen, freier im Vertrauen auf Allah statt auf Kalenderblätter.
Die genauen Gebetszeiten für deinen Wohnort findest du täglich aktualisiert auf namazworld.com.